5 Die Razzia in der Bar
Erst gestern war sie von Essen nach Berlin gekommen, mal wieder alte Freunde besuchen. Und jetzt waren sie schon in sowas Abgefahrenes verwickelt. Langweilig schien es jedenfalls nicht zu werden mit ihm. Sie erinnerte sich an den vorigen Abend in dieser Bar. Eigentlich eine tolle Party. Geiler Sound.. coole Leute... typisch Berlin irgendwie. Sie war so richtig in Trinklaune, und das merkte man ihr auch schon nach kurzer Zeit an. Als sie mal wieder an der Theke stand, um sich noch einen Caipirinha zu bestellen, bemerkte sie ihn. Lässig stand er da angelehnt und war auch, wie es schien, nicht mehr ganz nüchtern. Wie passend! Süß.. mal seh'n, ob er auch was zu sagen hat! Sie räkelte sich an ein paar Leuten vorbei, bis sie neben ihm stand.
Andere zogen sich auf dem Klo Koks in die Nase, sie zog es vor, an ihm zu schnüffeln.
"Na.. alleine hier?.. guter Sound was?" sagte sie, und kam sich schon wieder blöd vor mit dem doofen Spruch. Er drehte sich zu ihr um und musterte sie. 'Nicht schlecht' dachte sie 'hatte ich doch einen guten Riecher'. Auch er schaute interessiert.. von oben bis unten.. und dann: "Jo.. der ist ganz gut... und ja, alleine hier.. du auch?". "Nee.. mit ein paar Freunden, aber die langweilen sich und wollen gleich gehn.. im Gegensatz zu mir. Schließlich bin ich nicht andauernd in Berlin." Sie lächelte ihn an und dachte, na wenn das jetzt keine Einladung war! Und dumm war er anscheinend auch nicht denn sofort kam: "Ok.. dann muss ICH mich jetzt wohl um dich kümmern!"..er schnappte sich mit der einen Hand sein Bier, mit der anderen nahm er sie am Arm und schob sie durch die Menge in eine ruhigere Ecke im hinteren Teil der Bar.
Dort standen sie eine Weile an die Wand gelehnt. "Du bist ganz schön forsch!", sagte er beiläufig. "Ruhrpott eben!" entgegnete sie. Beide lachten, posteten sich zu, nahmen einen tiefen Schluck und setzen sich dann auf das alte Sofa in der Ecke, das gerade frei geworden war.
Sie war gut und gern einen Kopf kleiner als er mit seinen knapp 1,90m, hatte dunkle, lange Locken und ein selten erfrischendes Lachen. Ihre wilden Augen verengten sich zu schmalen Sehschlitzen, wenn sie lachte, und das tat sie oft. Um ihre Augen rankten sich bereits ein paar Fältchen, wohl vom vielen Lachen, doch nicht nur davon. Er hatte den Eindruck, diese Frau hatte schon so einiges erlebt. Wie alt mochte sie sein..? Hm, das war ja nicht so wichtig…Er friemelte Papers aus der Jackentasche und ein schwarzes Filmdöschen. Sie rollte sich grad eine Zigarette. „Hast Du etwas Tabak?“ „Klar! Oh, drehste einen, gut!“
Ein blick auf ihr leeres Glas, „Was willst Du denn noch trinken? Hattest ja schon Caipirinha…!“ fragte er. „ Jo,..ich würd wohl noch einen nehmen.“
„Kannst Du gut drehen?“ „Sicha…!“ „Dann mach mal bitte, bei mir werden die immer zu fett, ich kann das gar nich’ richtig.!“ „Aber rauchen tust Du schon ,oder?“ „Naja, keine Zigaretten! Und kiffen auch eher selten, nicht übermäßig…Ich kümmer’ mich mal um die Drinks, wenn ich wieder komm, ist das Dingen fertig, klar?“ Sie zwinkerte ihm zu als er aufstand und Richtung Theke verschwand. Er begrüßte die Frau hinterm Tresen mit einem Kuss und begann selbst Limetten zu zerteilen und zusammen mit dem Rohrzucker in übergroßen Gläsern zu zerstampfen. Der Laden war gerappelt voll, und die Bedienung war froh, dass er ihr diese Arbeit abnahm. Er machte sowieso die besseren Caipis, weil er nicht am Alkohol sparte -eine Anweisung der Chefs- und den Rest des Glases mit Wasser oder Eis auffüllte. Die Kneipe war nur halblegal und als Kulturverein gegründet worden, deswegen liefen auch andauernd Filme, die mit einem Videobeamer an die Wand geworfen wurden. Die Betreiber wollten sich die Schanklizenzen sparen und gaben deswegen am Tresen monatliche Pseudo-Mitgliedskarten aus, die man für einen Euro Beitrag erwerben konnte.
Nur, die Bedienungen fragten nie danach, was manchmal zum Stress führte, da sich eine zeitlang Zivil-Bullen unters Publikum mischten und als „Nichtmitglieder“ sozusagen Alkohol ausgeschenkt bekamen. Daher war das, was später passierte auch nicht sehr verwunderlich….
Sie schlürfte am Strohhalm, nachdem sie sich wieder zugeprostet hatten. ‚Meine Herren!’, dachte er, ‚…die hat ja ’nen Zug drauf.’ Das Feuerzeug flammte auf und dicke Rauchschwaden kringelten sich um ihren Lockenkopf, zogen langsame Bahnen und wurden schließlich vom Deckenventilator zerrissen und im Raum verteilt.
"Wie heißt du eigentlich?" wollte sie wissen. "Thomas.." antwortete er. "Aber nenn mich Tom, das machen alle." Er grinste. "Hi Tom, ich heiße Patricia.. aber nenn mich Pat. Das machen zwar nicht alle, aber passt doch super. Tom trifft Pat. Drei Buchstaben ..kurz und gut." "Und weißt du was noch passt?... Ich komme eigentlich auch aus dem Pott..".
'War ja klar! dachte sie. 'Da fährt man nach Berlin und wen lernt man kennen? Keinen Berliner sondern einen aus dem Ruhrpott. Lustig irgendwie.'
„Ich hab hier mal hinter der Bar gearbeitet!“ erzählte er ungefragt.
Pat legte das Feuerzeug beiseite und lehnte sich wieder zurück, in der einen Hand den Joint, den anderen Arm auf der Rückenlehne des Sofas, „Soso,…Tom Cruise, was….!“, feixte sie, „Mister,..dann zeigen Sie mal, ob sie ein echter Kerl sind...und nehmen einen tiefen Zug hiervon…!“
Von nun an entwickelte sich ein langes und intensives Gespräch. Sie redeten ununterbrochen. Über das Ruhrgebiet, über Berlin.. die Leute, die Einstellungen. Die Erfahrungen die beide gemacht hatten usw. Nebenbei tranken sie immer mehr, vertieften sich weiter in das Gespräch, wurden immer gelöster und lachten zwischendurch so laut, daß sie fast die Musik übertönten. Überhaupt war die Stimmung in dem Laden super entspannt. Überall tanzten, saßen und lagen Leute, die sich amüsierten und guter Laune waren. Die Luft war zum Schneiden dick und die Musik war richtig groovy.
Sie waren so aufeinander fixiert, daß sie gar nicht bemerkten, wie sich im voderen Teil der Bar ein Tummult entwickelte.
Zwei besoffenen Typen fingen eine Schlägerei an... es ging wohl um eine Frau, worum auch sonst? Immer der gleiche Scheiß um so eine Uhrzeit und in diesem Zustand. Bis die beiden bemerkten was überhaupt los war, waren schon die Bullen angerückt. Das Licht ging an, die Musik wurde ausgeschaltet, die Typen wurden abgeführt und einige Polizisten gingen durch den Raum um Leute zu befragen, wie es denn zu der Schlägerei kommen konnte. Nicht ganz ungefährlich die ganze Situation, denn überall wurde gekifft und auf dem Klo gab es wohl auch einige Kandidaten, die es mit dem BTM nicht so genau nahmen. Das merkte man auch an der missmutigen und aufgeregten Stimmung der Gäste. Alle wollten am liebsten gar nicht da gewesen sein. "Ach du Scheiße, das ist eine Razzia, keine Schlägeri!" sagte Tom. "Komm wir hauen lieber ab! Sonst hängen wir hinterher auch noch da drin". "Wie denn?" fragte sie ungläubig. "Überlass das mal mir. Ich kenn den Laden".. und schon packte sie an Hand Arm und zog sie in einen Gang neben den Klos. Wohl ein Hinterausgang, wo sich schon einige andere Gäste tummelten um sich abzusetzen. Sie schlängelten sich durch, was gar nicht so einfach war. Erstens wegen den vielen Leute und zweitens wegen ihres nicht mehr ganz trittfesten Zustandes. Und schon hörten sie hinter sich einen Polizisten brüllen. "Hey, alle da hinten. Zurückkommen. Abgehauen wird nicht!". Tom zerrte an ihr und sie ließ sich mitreißen. Sie standen an einer dicken Eisentür, da war kaum ein duchkommen, weil sich die ganzen Leute schon ineinander verkeilten. Ein richtiges Gequetsche und Geschubbse weil alle nur noch raus wollten. Mit einem letzten Ruck wurde sie ins Freie gezerrt und schon rannten sie mit einigen anderen über einen dunklen Hinterhof. Dann noch einen, dann durch eine Toreinfahrt und dann standen sie endlich auf einer Strasse.
>>>zu Kapitel 6
>>>zurück zu Kapitel 4
>>>zurück zum Inhaltsverzeichnis
Andere zogen sich auf dem Klo Koks in die Nase, sie zog es vor, an ihm zu schnüffeln.
"Na.. alleine hier?.. guter Sound was?" sagte sie, und kam sich schon wieder blöd vor mit dem doofen Spruch. Er drehte sich zu ihr um und musterte sie. 'Nicht schlecht' dachte sie 'hatte ich doch einen guten Riecher'. Auch er schaute interessiert.. von oben bis unten.. und dann: "Jo.. der ist ganz gut... und ja, alleine hier.. du auch?". "Nee.. mit ein paar Freunden, aber die langweilen sich und wollen gleich gehn.. im Gegensatz zu mir. Schließlich bin ich nicht andauernd in Berlin." Sie lächelte ihn an und dachte, na wenn das jetzt keine Einladung war! Und dumm war er anscheinend auch nicht denn sofort kam: "Ok.. dann muss ICH mich jetzt wohl um dich kümmern!"..er schnappte sich mit der einen Hand sein Bier, mit der anderen nahm er sie am Arm und schob sie durch die Menge in eine ruhigere Ecke im hinteren Teil der Bar.
Dort standen sie eine Weile an die Wand gelehnt. "Du bist ganz schön forsch!", sagte er beiläufig. "Ruhrpott eben!" entgegnete sie. Beide lachten, posteten sich zu, nahmen einen tiefen Schluck und setzen sich dann auf das alte Sofa in der Ecke, das gerade frei geworden war.
Sie war gut und gern einen Kopf kleiner als er mit seinen knapp 1,90m, hatte dunkle, lange Locken und ein selten erfrischendes Lachen. Ihre wilden Augen verengten sich zu schmalen Sehschlitzen, wenn sie lachte, und das tat sie oft. Um ihre Augen rankten sich bereits ein paar Fältchen, wohl vom vielen Lachen, doch nicht nur davon. Er hatte den Eindruck, diese Frau hatte schon so einiges erlebt. Wie alt mochte sie sein..? Hm, das war ja nicht so wichtig…Er friemelte Papers aus der Jackentasche und ein schwarzes Filmdöschen. Sie rollte sich grad eine Zigarette. „Hast Du etwas Tabak?“ „Klar! Oh, drehste einen, gut!“
Ein blick auf ihr leeres Glas, „Was willst Du denn noch trinken? Hattest ja schon Caipirinha…!“ fragte er. „ Jo,..ich würd wohl noch einen nehmen.“
„Kannst Du gut drehen?“ „Sicha…!“ „Dann mach mal bitte, bei mir werden die immer zu fett, ich kann das gar nich’ richtig.!“ „Aber rauchen tust Du schon ,oder?“ „Naja, keine Zigaretten! Und kiffen auch eher selten, nicht übermäßig…Ich kümmer’ mich mal um die Drinks, wenn ich wieder komm, ist das Dingen fertig, klar?“ Sie zwinkerte ihm zu als er aufstand und Richtung Theke verschwand. Er begrüßte die Frau hinterm Tresen mit einem Kuss und begann selbst Limetten zu zerteilen und zusammen mit dem Rohrzucker in übergroßen Gläsern zu zerstampfen. Der Laden war gerappelt voll, und die Bedienung war froh, dass er ihr diese Arbeit abnahm. Er machte sowieso die besseren Caipis, weil er nicht am Alkohol sparte -eine Anweisung der Chefs- und den Rest des Glases mit Wasser oder Eis auffüllte. Die Kneipe war nur halblegal und als Kulturverein gegründet worden, deswegen liefen auch andauernd Filme, die mit einem Videobeamer an die Wand geworfen wurden. Die Betreiber wollten sich die Schanklizenzen sparen und gaben deswegen am Tresen monatliche Pseudo-Mitgliedskarten aus, die man für einen Euro Beitrag erwerben konnte.
Nur, die Bedienungen fragten nie danach, was manchmal zum Stress führte, da sich eine zeitlang Zivil-Bullen unters Publikum mischten und als „Nichtmitglieder“ sozusagen Alkohol ausgeschenkt bekamen. Daher war das, was später passierte auch nicht sehr verwunderlich….
Sie schlürfte am Strohhalm, nachdem sie sich wieder zugeprostet hatten. ‚Meine Herren!’, dachte er, ‚…die hat ja ’nen Zug drauf.’ Das Feuerzeug flammte auf und dicke Rauchschwaden kringelten sich um ihren Lockenkopf, zogen langsame Bahnen und wurden schließlich vom Deckenventilator zerrissen und im Raum verteilt.
"Wie heißt du eigentlich?" wollte sie wissen. "Thomas.." antwortete er. "Aber nenn mich Tom, das machen alle." Er grinste. "Hi Tom, ich heiße Patricia.. aber nenn mich Pat. Das machen zwar nicht alle, aber passt doch super. Tom trifft Pat. Drei Buchstaben ..kurz und gut." "Und weißt du was noch passt?... Ich komme eigentlich auch aus dem Pott..".
'War ja klar! dachte sie. 'Da fährt man nach Berlin und wen lernt man kennen? Keinen Berliner sondern einen aus dem Ruhrpott. Lustig irgendwie.'
„Ich hab hier mal hinter der Bar gearbeitet!“ erzählte er ungefragt.
Pat legte das Feuerzeug beiseite und lehnte sich wieder zurück, in der einen Hand den Joint, den anderen Arm auf der Rückenlehne des Sofas, „Soso,…Tom Cruise, was….!“, feixte sie, „Mister,..dann zeigen Sie mal, ob sie ein echter Kerl sind...und nehmen einen tiefen Zug hiervon…!“
Von nun an entwickelte sich ein langes und intensives Gespräch. Sie redeten ununterbrochen. Über das Ruhrgebiet, über Berlin.. die Leute, die Einstellungen. Die Erfahrungen die beide gemacht hatten usw. Nebenbei tranken sie immer mehr, vertieften sich weiter in das Gespräch, wurden immer gelöster und lachten zwischendurch so laut, daß sie fast die Musik übertönten. Überhaupt war die Stimmung in dem Laden super entspannt. Überall tanzten, saßen und lagen Leute, die sich amüsierten und guter Laune waren. Die Luft war zum Schneiden dick und die Musik war richtig groovy.

Sie waren so aufeinander fixiert, daß sie gar nicht bemerkten, wie sich im voderen Teil der Bar ein Tummult entwickelte.
Zwei besoffenen Typen fingen eine Schlägerei an... es ging wohl um eine Frau, worum auch sonst? Immer der gleiche Scheiß um so eine Uhrzeit und in diesem Zustand. Bis die beiden bemerkten was überhaupt los war, waren schon die Bullen angerückt. Das Licht ging an, die Musik wurde ausgeschaltet, die Typen wurden abgeführt und einige Polizisten gingen durch den Raum um Leute zu befragen, wie es denn zu der Schlägerei kommen konnte. Nicht ganz ungefährlich die ganze Situation, denn überall wurde gekifft und auf dem Klo gab es wohl auch einige Kandidaten, die es mit dem BTM nicht so genau nahmen. Das merkte man auch an der missmutigen und aufgeregten Stimmung der Gäste. Alle wollten am liebsten gar nicht da gewesen sein. "Ach du Scheiße, das ist eine Razzia, keine Schlägeri!" sagte Tom. "Komm wir hauen lieber ab! Sonst hängen wir hinterher auch noch da drin". "Wie denn?" fragte sie ungläubig. "Überlass das mal mir. Ich kenn den Laden".. und schon packte sie an Hand Arm und zog sie in einen Gang neben den Klos. Wohl ein Hinterausgang, wo sich schon einige andere Gäste tummelten um sich abzusetzen. Sie schlängelten sich durch, was gar nicht so einfach war. Erstens wegen den vielen Leute und zweitens wegen ihres nicht mehr ganz trittfesten Zustandes. Und schon hörten sie hinter sich einen Polizisten brüllen. "Hey, alle da hinten. Zurückkommen. Abgehauen wird nicht!". Tom zerrte an ihr und sie ließ sich mitreißen. Sie standen an einer dicken Eisentür, da war kaum ein duchkommen, weil sich die ganzen Leute schon ineinander verkeilten. Ein richtiges Gequetsche und Geschubbse weil alle nur noch raus wollten. Mit einem letzten Ruck wurde sie ins Freie gezerrt und schon rannten sie mit einigen anderen über einen dunklen Hinterhof. Dann noch einen, dann durch eine Toreinfahrt und dann standen sie endlich auf einer Strasse.
>>>zu Kapitel 6
>>>zurück zu Kapitel 4
>>>zurück zum Inhaltsverzeichnis
storytellers - 19. Jan, 12:08
Trackback URL:
http://storytellers.twoday.net/stories/1436553/modTrackback